Online-Magazin des Regnum Christi und der Legionäre Christi

„Was kann ich dem Herrn schon anbieten?“

Was kann ich dem Herrn schon anbieten? Vor dreizehn Jahren, das Abitur frisch in der Tasche, lag mir die Antwort schnell auf der Zunge: Herr, ich gebe dir meine Jugend, meine Energie, meine Intelligenz – all diese Dinge, mit denen du mich so reich gesegnet hast. Ich würde ein toller Priester sein, ganz bestimmt. Und dann spürte ich auch noch die Berufung zu den Legionären Christi, die sich damals, obwohl sie es wohl nicht so offen gesagt hätten, für die heimliche Eliteeinheit der Kirche hielten. Da könnten meine Talente ja wirklich gut gebraucht werden!

Dreizehn Jahre später bin ich glücklich als Ordensmann in der Gemeinschaft der Legionäre Christi, stehe kurz vor der Priesterweihe und blicke zurück. Irgendwie kam alles anders, als ich es mir hätte vorstellen können: Der Gründer der Gemeinschaft wurde als Betrüger entlarvt. Der Orden musste sich einer tiefgehenden Erneuerung unterziehen, weil viele Strukturen nicht mehr zeitgemäß waren. Und, was am wenigsten meine Erwartungen erfüllt hatte: Ich selber war vielleicht doch nicht immer der Heilige, für den ich mich gehalten hatte. Jetzt ich bin dem Herrn dankbar dafür, dass er mich das alles erkennen lässt. Zwar bin ich immer noch nicht wirklich demütig geworden, aber vielleicht schon etwas weniger stolz als vor dreizehn Jahren. Und so frage ich mich ehrlich: Was kann ich dem Herrn schon anbieten?

In den Jahren der Ausbildung habe ich gelernt: Es geht nicht darum, was ich dem Herrn von meinen Talenten anbieten kann. Es geht nur darum, dass ich mich ihm komplett und bedingungslos überlasse. Die Jahre des Gebetes haben mich gelehrt: Ich bin ganz für ihn da. Und im Gemeinschaftsleben und im pastoralen Dienst habe ich gelernt: Er will, dass ich für andere da bin. Dasein, Zuhören, vielleicht ein gutes Wort mit auf den Weg geben. Mehr noch: Er will durch mich für andere da sein. Als sein Priester, durch den er in den Sakramenten für die Menschen gegenwärtig wird.

Ein wenig konnte ich sein Wirken schon erfahren bei den Missionen, die mich in den Jahren meiner Ausbildung manchmal sogar im monatlichen Rhythmus auf die Straßen unter anderem von New York und Rom führten. Als Ordensmann stehe ich da an einer Straßenecke und versuche, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Und wenn sie katholisch sind, lade ich sie in die Kirche ein, zur Anbetung oder gar zur Beichte. Nirgendwo anders spüre ich so stark wie hier, dass ich sein Instrument bin. Immer wieder passiert es, dass ich auf dem Weg zum Missionsort abgelenkt werde, und es gibt tausende von Ausreden, um nicht hinzugehen. Aber irgendwie gehe ich trotzdem ohne Umwege hin, überwinde die Scheu und beginne, den erstbesten Fußgänger anzusprechen. Und nur zu oft entwickelt sich schon diese erste und scheinbar zufällige Begegnung des Nachmittags zu dem tiefen Gespräch über den Glauben, das diese Person gerade jetzt braucht. Es geht nicht darum, was ich für Gott tun kann, sondern darum, was er durch mich und trotz meiner Schwächen tun will. Das gibt mir Hoffnung für mein Wirken als Priester. Was könnte ich denn den Menschen anderes geben als Gott?

Warum also hat Gott mich auf diesem Weg geführt? Hätte er es nicht einfacher für mich machen können? War eine so lange Ausbildung in einem von Skandalen geplagten Orden dazu wirklich notwendig? Hätte ich vor dreizehn Jahren von den Schwierigkeiten gewusst, hätte ich gewiss gesagt: Nein, das muss ich mir wirklich nicht antun. Damals hatte Gott auch noch nicht so viel Platz in mir. Heute, nach diesen langen Jahren, versuche ich, dass es anders ist. Ich kenne meine Fehler und Gebrochenheit, und gerade so kann ich Raum für ihn schaffen, weil mein Ego nicht mehr alles ausfüllt. So kann er das Beste draus machen. Und ich freue mich, als Priester Gott zu den Menschen bringen zu dürfen.

Pater László Erffa LC

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László Erffa wurde 1988 in Coburg geboren. Er hat eine ältere und drei jüngere Schwestern. P. László wuchs in Bayern, Namibia, Pakistan, Rheinland-Pfalz, Indien, Berlin-Brandenburg und Indonesien auf. Nach dem Abitur 2007 trat er in das Noviziat der Legionäre Christi in Bad Münstereifel ein. Stationen seiner Ausbildung waren: Salamanca (Spanien), New York und Connecticut (USA), Rom (Italien). Seit seiner Diakonweihe 2019 ist er Assistent des Novizenmeisters in Deutschland. Am 4. Juli 2020 wird er in der St.-Anna-Basilika in Altötting zum Priester geweiht.

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